Erfahrungsbericht eines Unternehmers mit der Soka

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit einigem Interesse bin ich gestern zufällig auf Ihre Homepage gestoßen und möchte Ihnen daher heute einen Vorgang zur Kenntnis bringen, der mich "so richtig gallig" gemacht hat.

Im Februar soll ein junger Mann aus Guinea, der derzeit in Dtld. geduldetet ist und noch zur Schule geht, bei uns ein Praktikum machen, damit er sehen kann, ob die von ihm gewünschte Ausbildung im Baubereich wirklich das ist, was er sich darunter vorstellt.



Im Gespräch zeigte sich, dass der junge Mann sehr genau weiß, wie wichtig die Schule für ihn ist und diese auch abschließen möchte, gleichzeitig aber lieber heute als morgen eine Arbeit aufnehmen würde. Wie so viele junge Flüchtlinge ist er unglaublich motiviert und voller Tatendrang.

Aus diesem Grund hatten wir in Erwägung gezogen, ihm anzubieten, dass er sich bis zum Abschluss der Schule und Beginn der Ausbildung samstags um unsere Fahrzeuge kümmern könnte.

Eine Arbeit, die bisher stets von demjenigen, der gerade ein bisschen Zeit hatte, nebenbei erledigt wurde ... und leider wohl auch weiterhin auf diese Weise erledigt werden wird. - Dank der "erfolgreichen Bemühungen" der Soka-Bau, mit der wir uns zur Klärung der rechtlichen Fragen vorab in Verbindung gesetzt hatten.

Zunächst bekamen wir auf unsere diesbezügliche Anfrage beim "Arbeitgeberservice" der Soka eine ganze Woche lang keinerlei Antwort (außer der automatisierten Eingangsbestätigung) und auf telefonische Nachfrage teilte man mir dann mit, dass der junge Mann ganz normal als gewerblicher Mitarbeiter einzustellen sei, Anspruch auf den Mindestlohn habe und alle Abgaben zur Soka-Bau für ihn zu zahlen wären.

Mein Einwand, dass zumindest die Beiträge zu dieser ohnehin absurden "Altersvorsorge" für jemanden, der zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einmal weiß, ob er überhaupt im Baubereich tätig werden, geschweige denn "alt werden wird" und der darüber hinaus Deutschland vermutlich lange vor Erreichen des Rentenalters wieder wird verlassen müssen, vollkommen unbegründet seien und daher in diesem Fall Beiträge gefordert würden, aus denen sich aller Wahrscheinlichkeit nach keinerlei Leistungsanspruch ergeben könnte, bekam ich nur zur Antwort, dass dies so notwendig sei, allein schon um zu verhindern, dass wir den jungen Mann (wörtlich!) "für einen Hungerlohn beschäftigen" könnten.

Sorry, aber auch wenn man darüber streiten kann, ob 8,50 oder demnächst 8,84 € als Mindestlohn angemessen sind und wie es sich wohl davon leben lässt, wenn man bei einer Vollzeitbeschäftigung auf dieser Basis entlohnt wird, so sind wir doch durchaus der Meinung, dass wir diesen jungen Mann mit einer Entlohnung in Höhe von 8,50 € brutto = netto / Stunde keineswegs ausbeuten würden.

Außerdem hätten wir ihm Gelegenheit gegeben, sich außerhalb seiner Flüchtlingsunterkunft sinnvoll zu betätigen, ein bisschen Geld zu verdienen und ganz nebenbei ein paar ganz (oder vielleicht auch nur relativ) normale "Eingeborene" kennen zu lernen.

Mit den 150,00 € / Monat, die er von seinem Verdienst hätte behalten dürfen, hätte er bis zum Ende seiner Schulzeit schon fast das Geld für seinen Führerschein zusammen haben können.

Hätte ... könnte ... würde - alles, wenn es die Soka nicht zu verhindern wüsste!

Aber das hat sie geschafft, denn wir wüssten beim besten Willen nicht, wie wir unseren Mitarbeitern, die mit ihrer harten Arbeit das Geld erwirtschaften, welches der Firma zur Verfügung steht, erklären sollten, dass wir für die Beschäftigung eines ungelernten jungen Mannes mehr als 17 € pro Stunde ausgeben wollen.

Schade. Es hätte alles so schön sein können ...

Wir wünschen Ihnen daher größtmöglichen Erfolg bei der Verfolgung Ihrer Ziele.

Zuvor jedoch schöne Feiertage und alles Gute für das kommende Jahr.

Mit freundlichen Grüßen,

i. A. Leonie Höffler

Bauunternehmung Andreas Püttner
Stich 48
52249 Eschweiler
02403 506515



http://www.irb.fraunhofer.de/zdh/anzeige/?dok=10517


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